22. Mai 2014

„Recht auf Erbarmen“ für Inhaftierte

Ein „Recht auf Erbarmen“ für Inhaftierte forderte Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer am 17. Mai auf der Jahrestagung des Schwarzen Kreuzes in Springe ein.

 

Den Begriff „Mission“ mögen heute viele kaum noch in den Mund nehmen. Zu viele Vorstellungen von rigiden Bekehrungsmaßnahmen bis hin zu Gewalt kleben daran.  Aber das Anliegen, anderen Menschen den Glauben nahezubringen, der für einen selbst so wertvoll ist, ist geblieben.

 

„Schönheit eines Lebenskonzepts“

Einen neuen Begriff zauberte auch auf der Jahrestagung des Schwarzen Kreuzes in Springe niemand aus der Tasche. Aber da gab es immerhin einige neue Definitionen für das Wort „Mission“, die der eine oder andere irgendwo aufgeschnappt hatte: „Gewaltlose Werbung für die Schönheit eines Lebenskonzepts“ (Fulbert Steffensky) zum Beispiel oder „Mission ist nötig, weil Gott sich nach den Menschen sehnt.“

Mission heute brauche einen „Blick der Sehnsucht und der Liebe“, sagte Dr. Erhard Berneburg, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, in seinem Referat. Mission müsse den ganzen Menschen mitsamt seiner Lebenssituation ins Auge fassen und sich für ihn als Mitmenschen auch wirklich interessieren: „Manchmal müssen wir Menschen erst einmal absichtslos und zugewandt in ihrer Lebenslage beistehen.  Dann beginnen die Menschen von ganz allein zu fragen, warum gerade wir sie wichtig finden.“

 

Recht auf Erbarmen

Ob man auf Straftäter zugeht oder nicht, ist für den Juristen und Vorsitzenden der Evangelischen Konferenz für Straffälligenhilfe Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer im Grunde gar keine Frage. „Strafgefangene haben ein Recht auf Erbarmen! Das gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für den Staat. Trotz aller Schuld bleibt die Menschenwürde eines Gefangenen immer erhalten.“

Ein Monopol auf die Behandlung von Gefangenen darf der Strafvollzug nicht für sich beanspruchen, so Schäfer. Dann würde er den Resozialisierungsgedanken nicht ernstnehmen. Er ist verpflichtet, Bürgerinnen und Bürger von „draußen“ in die Gefängnisse hinein zu lassen.

 

„Ich war selbst Ehrenamtlicher“

Auch wenn es da Konflikte geben kann. Schäfer war früher Gefängnisleiter und als Student selbst Ehrenamtlicher in der JVA Rockenberg. Er kennt also beide Seiten der Medaille aus eigener Erfahrung. Am besten sei es natürlich, wenn es regelmäßige Gespräche gebe. Trotzdem hätten JVA-Leitung und Ehrenamtliche nun mal unterschiedliche Positionen: „Ehrenamtliche sind im Gefängnisalltag immer aufregend und störend. Aber das ist auch wichtig!“

Referat von Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer

Referat von Dr. Erhard Berneburg

Presseberichte: idea Spektrum, Leine-Deister-Zeitung, Ev. Zeitung

 

Foto Prof. Dr. Schäfer: Schwarzes Kreuz

Den Hochmütigen stellt sich Gott entgegen. Aber wer gering von sich denkt, den lässt er seine Gnade erfahren.