13. Juni 2014

„Meine Ängste waren unbegründet“

 

 

Vor etwa drei Jahren fragte die Jugendanstalt (JA) Hameln bei einigen Kirchengemeinden an: Können Sie  sich vorstellen, bei der Gottesdienstgestaltung in der Anstalt mitzuhelfen?

Damals ging auch ich zum angesetzten Info-Abend. Allerdings hatte ich so meine Zweifel, ob dies das Richtige für mich wäre. Außer einem Briefkontakt zu einem Gefangenen und seltenen Besuchen bei ihm hatte ich keinerlei Bezug zu Inhaftierten. Und ich stellte mir auch die Frage, ob ich mit Mitte fünfzig einen Draht zu den jungen Männern in der JA bekommen würde.

 

„Ob die wohl zuhören?“

Aber „gemeinsam sind wir stark“, dachte ich mir, und ging mit einer Gruppe überwiegend junger Leute zum ersten Mal in die Kapelle der JA, um einen Gottesdienst zu gestalten. Nicht ohne Bedenken: „Werden sie uns zuhören? Worüber soll ich mich mit ihnen hinterher beim Kaffeetrinken unterhalten?“

Eine junge Frau aus unserer Gruppe hielt eine kurze, sehr anschauliche Predigt mithilfe verschiedener Gegenstände, und wir sangen alle zusammen. Die jungen Gefangenen begegneten uns mit Respekt, und der Gefängnisseelsorger hatte alles im Griff. Alle meine Ängste waren unbegründet. Im Gegenteil, der Gottesdienst machte mir viel Freude.

Hinterher setzte sich jeder mit mehreren jungen Männern an einen Tisch, wir tranken Kaffee und unterhielten uns. Mit manchen konnten wir sogar beten oder ihnen Mut zusprechen. Alles in allem war es ein Erlebnis, das wir wiederholen wollten. Und so sind wir seither etwa alle zwei Monate im Gottesdienst mit dabei.

Birgit Weisbecker

Foto: Henning Buchhagen, Kapelle der JVA Salinenmoor

Den Hochmütigen stellt sich Gott entgegen. Aber wer gering von sich denkt, den lässt er seine Gnade erfahren.