Im Gefängnis

„… Zwei Jahre sind 730 Mal aufstehen und einschlafen, sind zwei Jahre in einem 3×4 m großen Raum, den ich noch mit meiner Toilette teilen muss. […] Einfach mal einen Spaziergang machen können, raus gehen können, wann man will, das sind die Dinge, die mir fehlen. Mir fehlt der liebende Kontakt mit Menschen, mir fehlt ein sinnvolles Reden mit guten Freunden, die nicht jede Äußerung gleich auf die Gasse tragen, mir fehlt der Zuspruch eines guten Wortes in meiner Einsamkeit …“  Aus dem Brief eines Inhaftierten.

Ab ins Gefängnis. Und dann?

Wer ins Gefängnis kommt, wird auf einmal knallhart mit den Folgen seines Handelns konfrontiert. Das bedeutet nicht nur, sich mit der Straftat auseinanderzusetzen. Er muss auch mit den geschriebenen und mit den ungeschriebenen Regeln des Strafvollzugs klarkommen. Er muss die Insassenhierarchie durchschauen und darin überleben. Und für die Gesellschaft jenseits der Gitter scheint er nicht mehr zu existieren. Oft nicht einmal mehr für Familie und Freunde: Viele sind selbst überfordert und brechen den Kontakt ab.

vogelDer Strafvollzug bietet professionelle Hilfen an – Arbeit und Freizeitangebote zum Beispiel, psychologische und seelsorgerliche Beratung. Aber was er nicht geben kann, sind persönliche Beziehungen auf Augenhöhe. Sich mal wirklich öffnen, wie gegenüber einem Freund oder einer Schwester. Spüren: Ich bin jemandem wichtig, einfach als Mensch.

Innerhalb des Gefängnisses können vertrauensvolle Beziehungen kaum entstehen. Inhaftierte vereinsamen. Die Außenwelt wird ihnen immer fremder. Die Angst vor der Entlassung wächst.

 

Wieder „draußen“

Nach der Entlassung heißt es dann eine Wohnung suchen, Arbeit, ein neues ehrliches Leben aufbauen – aber wie soll man allein schon ehrlich antworten, wenn man gefragt wird, wie man die letzten Jahre verbracht hat? Wie umgehen mit der Angst, dann fallengelassen zu werden? Viele finden trotz der Ablehnung und trotz aller Schwierigkeiten in ein gutes Leben hinein. Andere schaffen es nicht und werden wieder straffällig.

 

Um wen geht es?

Bei straffällig gewordene Menschen liegen in der Regel besondere, vielschichtige Probleme vor, die in die Kriminalität geführt haben – emotionale Verwahrlosung, psychische Krankheiten oder anderes.

Warum wird der eine mit solchen Problemen straffällig und der andere nicht? Wir wissen es nicht, und wir wollen auch niemanden entschuldigen. Wenn die Menschen aber erkennen, wo die Ursachen liegen, die sie in die Kriminalität geführt haben, wächst die Chance, dass sie es in Zukunft besser machen.

Angehörige von Inhaftierten sind fast immer mitbestraft. Sie stehen oft vor einem Berg von Schwierigkeiten, werden von ihrer Umgebung gemieden und müssen mit Scham und Isolation fertig werden.

Fast alle Inhaftierten sind übrigens Männer. Frauen machen weniger als fünf Prozent aus.

 

 

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Den Hochmütigen stellt sich Gott entgegen. Aber wer gering von sich denkt, den lässt er seine Gnade erfahren.