Was ist das Besondere an der Situation von Frauen in Haft? Das erzählt Christoph Haase, der Leiter des Arbeitskreises Chemnitz. Er begleitet inhaftierte Frauen:
Als wir noch Männer begleiteten, haben wir manchmal erlebt, dass sie ihre Inhaftierung als eine besonders männliche Form ihrer Lebenskarriere verstanden. Im Umgang miteinander sorgten klare Ansagen und nachdrückliche Gewalt für „Ordnung“ im Herrschaftssystem. Die Haftzeit nutzten manche zur Planung weiterer fragwürdiger Unternehmungen in der kommenden Freiheit. So war auch oft eine rückschauende, reuevolle Aufarbeitung ihrer Vergehen nicht auf der Tagesordnung.
Frauen dagegen wirken in der Haft oft entwurzelt: Sie kommen mit der Trennung von ihrer Familie schwerer klar als Männer und leiden stärker unter der Einsamkeit und Entmündigung in Haft. Sie zeigen ihren Schmerz oft bis hin zum Weinen und suchen Nähe und Wärme. Wir beobachten aber auch Mobbing und „Zickenkrieg“.
Reagieren die inhaftierten Frauen bei Bediensteten auf Männer anders als auf Frauen?
C. Haase: In unserer JVA hatten männliche Bedienstete eine Zeitlang keinen direkten Kontakt zu den inhaftierten Frauen, da es vereinzelt zu sexuellen Übergriffen von Bediensteten gekommen war. Die Abwesenheit von männlichen Bediensteten aber hatte dann zu Unruhen unter den inhaftierten Frauen geführt. So wurden wieder einige männliche Bedienstete in den täglichen Vollzug integriert. Offenbar gehört es zum ganzheitlichen Menschsein, dass Frauen und Männer einander begegnen. Auf Männer reagieren die inhaftierten Frauen wahrscheinlich neugieriger. In unserem Arbeitskreis gibt es zurzeit außer mir nur Frauen. Wir sind aber offen, auch Männer in unsere Arbeit zu integrieren, wenn wir sie finden.
Es ist wahr, du bist ein geheimnisvoller Gott!