
„Was muss ich beachten, wenn ich einem Inhaftierten schreibe?“ Das werden wir immer wieder gefragt. Eigentlich ist es einfach: Im Großen und Ganzen gelten dieselben Kommunikationsregeln wie sonst auch.
Teresa von Avila hielt einige davon schon im 16. Jahrhundert schriftlich fest – zeitlos und mit einem kräftigen Schuss Humor. Sie formulierte sie als Gebet, und sie sind auch hilfreich im Briefkontakt mit Inhaftierten 😊
„O Herr, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheiten erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber du verstehst, o Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.
Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein, mit ihnen lebt es sich so schwer, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.
Lehre mich, an anderen Menschen unerwartet Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.“
„Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?“
Jesus sagt: „Gottes Reich kann man nicht sehen wie ein irdisches Reich. Niemand kann sagen: ‚Hier ist es!‘ oder ‚Dort ist es!‘ Gottes Reich ist schon jetzt da – mitten unter euch.“