Heute ist Weltkindertag. Auch Kinder inhaftierter Eltern zählen zu den vielen benachteiligten Kindern weltweit, um die es heute geht. Wie kann man als Familie mit solch einer Situation umgehen? Wir haben bei einem Vater von vier Kindern nachgefragt. Inzwischen ist er aus der Haft entlassen.
Welche Bedeutung hatte deine Familie damals in Haft für dich?
Beim ersten Mal in Haft hatte ich selbst noch keine Familie. Da verging die Zeit recht schnell. Erst als ich dann Kinder hatte, hatte ich jeden Tag das Gefühl, die Sehnsucht frisst mich auf. Aber zum Glück besuchte mich meine Frau mit den Kindern, schon als sie noch Babys waren.
Wie haben deine Kinder mitbekommen, dass du in Haft warst?
Meine Frau ist damit ganz offen umgegangen. Mein Sohn wollte mich dann auch unbedingt sehen. Also habe ich Anträge gestellt und dann kamen sie vorbei. Aber der Aufwand war enorm.
Wie waren die Besuche deiner Familie in Haft?
Die Besuche waren wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Der Abschied war dann aber das Schlimmste überhaupt; als würde mir ein Stück aus dem Herzen gerissen werden. Wenn ich jetzt noch daran denke, wird mir übel. Ich habe teilweise die Nächte durchgeweint und gebetet.
Welche Angebote für Kinder gab es in der JVA?
Sie durften zwei Stunden im Monat kommen und je nach meinem Verhalten konnten die Besuche gesteigert werden. Es gab eine Spielecke, dort haben wir gemalt oder etwas gebaut. Sogar Fangen und Verstecken haben wir gespielt, obwohl es natürlich nicht mal Orte zum Verstecken gab. Wir haben das Beste draus gemacht.
Sprichst du mit deinen Kindern über deine Hafterfahrung? Wenn ja wie?
Ja, sie sollten keine Geschichten von anderen hören. Sie haben mir Löcher in den Bauch gefragt und ich habe versucht alles altersentsprechend zu erklären.
Kannst du Herausforderungen beschreiben, die dich im Nachhinein betreffen?
Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, alle meine Geschädigten um Vergebung zu bitten. Ohne die Liebe Gottes, die ich für mich entdeckt habe, hätte ich das nie geschafft. Das war natürlich jedes Mal eine Herausforderung. Bei einem Mann dachte ich wirklich, der wird mir was antun. Aber tatsächlich ist er die Person, zu der ich jetzt seit Jahren eine gute Beziehung pflege.
Was würdest du anderen inhaftierten Eltern mit auf den Weg geben wollen?
Keinen Mist mehr bauen. Die Liebe der Familie sollte neue Kraft geben. Mir hat es für mein eigenes Seelenheil sehr geholfen, anderen zu helfen und Gutes zu tun. Wenn man Fremden hilft, kann es sich wie ein inneres Feuerwerk anfühlen.
Neues Projekt und Tipps für Kinder Inhaftierter
Übrigens: Wir haben ein Projekt gestartet, um die Bindung zwischen in Celle inhaftierten Vätern und ihren Kindern zu stärken: Nachricht für Papa. Väter lesen ihrem Kind eine Geschichte vor und wir zeichnen sie für das Kind auf. Und manchmal fließt dabei auch die eine oder andere Träne. Wir freuen uns, wenn Sie das Projekt mit einer Spende unterstützen! Mehr dazu
Verschiedene Hilfsmöglichkeiten und Tipps für Kinder inhaftierter Eltern und andere Angehörige haben wir hier zusammengestellt.
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