19. Januar 2012

Fast eine kleine Liebesgeschichte

Ein Inhaftierter schrieb uns ein paar Zeilen, die fast eine kleine Liebesgeschichte sind: Was passieren kann, wenn außerhalb der Gefängnismauern auch die Partnerin den Kalender des Schwarzen Kreuzes nutzt.

„Als Insasse der JVA Celle erhielt ich zum Jahreswechsel regelmäßig Ihre Kalender, die ich stets gerne nutzte. Ob die biblischen Verse, die kurzen Anekdoten und Geschichten oder eben die Postkarten, Woche für Woche erhielt ich Anregungen zum Nachdenken, wodurch nicht nur die Zeit schneller als gewohnt fortschritt, sondern mir auch der Glaube begreiflicher wurde.“

2011 bekam er unerwartet von einem Mitgefangenen ein zweites Exemplar geschenkt. „Da mir selbst natürlich eine Ausführung genügte, sandte ich die zweite meiner Freundin zu. Doch nicht nur das, damit verbunden unterbreitete ich ihr den Vorschlag, jeden Sonntag zu dem jeweiligen Wochenmotiv der Postkarte die dazu spontan entstehenden Gedanken aufzuschreiben. Keine Romane sollten entstehen, nur die Rückseite durfte beschrieben werden.

 

„Nebenbei lernten wir uns besser kennen“

S., so heißt meine Freundin, stimmte meiner Idee sofort begeistert zu, sodass wir umgehend mit der Umsetzung begannen. Auf diese Weise wurden nicht bloß unsere jeweiligen Gedanken zu Papier gebracht, aus ihnen erwuchsen vielmehr weitere anregende Diskussionen, die wir in unseren normalen Briefverkehr aufnahmen.

Ab und an assoziierten wir dasselbe aus den Vorlagen, doch meistens entstanden vollkommen unterschiedliche Ansichten aus ein und demselben Bild. Dieses begeisterte mich, schärfte im Laufe der Zeit meine Sinne, da ich verschiedene Blickwinkel anzunehmen versuchte, gab mir viele neue Impulse zum Nachdenken und – ich halte es für den wichtigsten Punkt – beinahe nebenbei lernten wir einander und unser Denken noch besser als zuvor kennen. Und dieses trotz der Gitter und Mauern zwischen uns. So kann ich nunmehr behaupten, dass uns Ihre Postkartenmotive Woche für Woche einen wunderbaren Moment der Nähe schenkten. Und genau dafür bin ich Ihnen sehr dankbar.“

Lasst eure stolzen Reden und frechen Worte! Wisst ihr denn nicht, dass Gott alles hört, was ihr sagt, und dass ihm nichts entgeht, was ihr tut?