28. August 2018

Was mir 1997 im Projekt Brückenbau passierte

 

 

Henning Buchhagen, Gefängnisseelsorger i.R. und Vorstandsmitglied, ist seit rund 20 Jahren im Projekt Brückenbau dabei. Er erzählt:

“In der Celler Anstalt Salinenmoor, wo ich Seelsorger war, spielte „der Brückenbau“ durchaus eine Rolle: Bei den Gefangenen waren die Ausgänge zu den Dienstagnachmittagen (Offener Abend) im Projekt Brückenbau sehr beliebt, obwohl sie damals dafür jeweils 10 DM von ihrem Konto mit hinaus nehmen mussten. Ich weiß nicht mehr, warum das so war, aber für so einige habe ich das Geld damals aus meiner Kasse noch schnell ausgelegt, weil sie es nicht hatten und sonst nicht hätten mitkommen können. Und das war ihnen wichtig.

Selten wurde versucht, die „Offenen Abende“, Ausflüge, Teilnahme an Gottesdiensten oder sportliche Veranstaltungen zu missbrauchen. Aber einige meinten doch, beim Brückenbau könne man gut Drogen besorgen. Manche Inhaftierte, die eigentlich zu den Teilnehmern des Offenen Abends gehörten, gingen dann auch mal nicht hin, weil sie in der Anstalt von Mitgefangenen unter Druck gesetzt wurden, Drogen mitbringen zu sollen! Dass jemand beim Projekt auf Flucht gegangen ist, erinnere ich in nur einem Fall (der Gefangene kam aber wieder!)

“Ich hätte lieber beim Brückenbau weglaufen sollen!”

Die „Stimmung“ zeigt aber vielleicht eine kleine Geschichte, die mir Ende 1997 passierte:

Ein Inhaftierter, den ich schon länger kannte, bat mich, ihn bei einem Ausgang zu begleiten (das durfte ich als Pastor der Anstalt und hatte es auch bei diesem Mann schon zweimal getan). Aber diesmal lief er mir in Göttingen dann weg. Er blieb aber nur eine Woche „draußen“, weil die Polizei ihn auf einem Fahrrad ohne Licht erwischte. Er war nicht einer der Klügsten: Wäre er mit Licht gefahren, hätten sie ihn nicht angehalten! Als er dann wieder in der Anstalt war (auf unserer Sicherheitsstation: der ‚Blechseite’) entschuldigte er sich bei mir: „Tut mit leid, dass es ausgerechnet Sie getroffen hat, ich hätte es lieber beim Brückenbau machen sollen!“ Und dann fragte er noch: „Können Sie mir nicht einen Fernseher leihen? Ein Pastor sollte doch nicht nachtragend sein!“ War ich auch nicht; aber einen Fernseher hat er trotzdem von mir nicht bekommen.”

Weitere Geschichten hören Sie am kommenden Dienstag, den 04. September auf unserer Jubiläumsfeier. Sie sind herzlich eingeladen!  Mehr dazu erfahren Sie hier. 

“Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?”

 

 

Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit: Geboren werden und Sterben, Weinen und Lachen, Umarmen und Loslassen, Suchen und Finden, Reden und Schweigen, Tanzen und Klagen.