21. Mai 2021

AK Bremen: Freiheit hinter Mauern spüren

Wald, durch Fenster in Form eines Kreuzes gesehen
Foto C. Müller, pixelio

Unsere Treffen im Gefängnis sind immer donnerstags – vor Corona und hoffentlich bald wieder. Wir sind der Bremer Arbeitskreis des Schwarzen Kreuzes. Im Gefängnis sind wir bekannt als „Christen im Knast“, kurz CIK genannt. Wir sind vier Mitarbeitende, drei Männer und ich als Frau. Immer zwei aus unserem Team treten an. Eine Person hält das Thema, die andere sorgt für Getränke und Knabberzeug.

Lange Warteliste

Es kommen zehn Männer, mehr dürfen nicht. Weitere, mindestens zehn, stehen auf der Warteliste. Alle wissen, wer dreimal unentschuldigt fehlt, fliegt raus. Die Gruppe ist daher ziemlich stabil aufgestellt. Sie kommen, weil sie entweder unseren Flyer “Christen im Knast! Freiheit beginnt hinter Gittern…” gelesen haben oder weil sie von einem anderen Mitinhaftierten eingeladen wurden. Sie müssen zunächst auf die Warteliste und sind dann irgendwann zum ersten Mal in unserem Raum. Sie beobachten die herzliche Begrüßung, sehen Chips und Cola und nehmen abwartend Platz.

Ungerechtigkeiten und schlechtes Essen

Eine Person betet, dankt für das Essen und die Zeit zusammen. Dann wird gesungen, Lieder zu Gott und von seiner Liebe zu uns. Alle singen mit, laut und oft sehr schräg. Das tut der Begeisterung keinen Abbruch. So mancher Mann erleichtert sein Herz, erzählt von Ungerechtigkeiten, schlechtem Essen, Nöten in der Familie – und wir beten dafür. Unserem Neuen wird klar, hier geht es um Gott, die Knabbereien sind lecker, aber deshalb sind die Anderen nicht da. Auf dem Tisch liegen Bibeln und auch der Neue bekommt eine, die er, wenn er will, mit in die Zelle nehmen darf.

In Jesus Freiheit erfahren

Heute ist das Thema: Der Herr ist mein Hirte, nachzulesen in Psalm 23. Fast alle wollen lesen, beteiligen sich am Gespräch. Jeder kann, niemand muss. Wieder erklärt der Mitarbeiter, dass wir alle im gleichen Boot sitzen oder Schafe sind, die einen Hirten brauchen. Wir von “draußen” sind nicht besser als die von “drinnen”. Wir haben Jesus, den Guten Hirten, in unserem Leben erlebt, wir kennen seine Stimme und folgen ihr. Diese Stimme ist liebevoll und nicht manipulierend. Wer Jesus kennt, weiß, wohin mit Schuld, Traurigkeit und verletzter Seele. Viele Männer haben im Laufe der Zeit diesem Jesus ihr Leben anvertraut und Freiheit erfahren, auch hinter dicken Mauern und Gittern.

Beamte unterstützen die Gruppe

Darum sind wir dort und nicht wegzukriegen, auch in Coronazeiten. Zurzeit schreiben wir jede Woche jedem Mann einen Brief. Die Beamten, die im Übrigen unsere Arbeit voll unterstützen und uns noch nie Steine in den Weg gelegt haben, verteilen die Post und danken uns für unsere Treue. Ein Beamter sagte einmal zu einem Gefangenen: „Gehen Sie in die Gruppe, das tut Ihnen gut.“ Das ist doch eine Werbung für uns, oder?

Wir würden gerne so schnell wie möglich wieder rein. So lange es noch nicht möglich ist, macht Gott durch uns das Beste draus.

Heidrun Kruse, Mitarbeiterin CIK des Arbeitskreises Bremen

“Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?”

Kommentare: “AK Bremen: Freiheit hinter Mauern spüren”

  1. Lars Vickendey sagt:

    Super! Ich würde so etwas auch gerne tun! Hut ab vor Ihrer Arbeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bei dir, Herr, habe ich Zuflucht gefunden. Du bist mein Gott. Alle Zeiten meines Lebens sind in deiner Hand.