22. Mai 2026

Strafvollzug anders denken

Foto: Schwarzes Kreuz

Haftstrafen sind teuer – und richten oft mehr Schaden an als sie nutzen. Davon ist Dr. Thomas Galli überzeugt. Und er weiß, wovon er spricht: Anderthalb Jahrzehnte arbeitete er im Justizvollzug, bevor er 2016 bewusst aus dem System ausstieg: „Es passt nicht zusammen, Gefängnisse für schädlich zu halten und gleichzeitig eines zu leiten.“

Blick auf die Ursachen

Im Interview mit der Legal Tribune Online (LTO) beschreibt Galli den Haftalltag als ein starres System, das vor allem von Kontrolle, Verwaltung und Sicherheitsdenken geprägt sei. Dabei wird aus seiner Sicht ein entscheidender Punkt zu wenig beachtet: die Ursachen von Straftaten.

„Auch Straftäter wurden verletzt“

„Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren mit Straftätern zusammen. In der ganzen Zeit habe ich noch keinen kennengelernt, bei dem die Straftat nicht zumindest auch ihre Ursache darin hat, dass der Betroffene selbst verletzt worden ist und in irgendeiner Weise traumatisiert ist“, sagt Galli. Doch genau das finde im Justizvollzug zu wenig Beachtung.

Klassische Haftstrafen plus individuelle Maßnahmen

Deshalb plädiert er für individuellere Maßnahmen, die stärker auf den einzelnen Menschen zugeschnitten sind. Die klassische Haftstrafe hält er allerdings weiterhin für notwendig – zumindest in schweren Fällen. Dort „bleibt kein Raum für neue Strukturen“. Allerdings betreffe das nur einen kleinen Teil der derzeit Inhaftierten.

Warum Anwalt und nicht Richter?

Wie sich die Kosten des Strafvollzugs senken und gleichzeitig echte Resozialisierung fördern ließe, erklärt Galli ausführlich im Interview. Dabei drängt sich eine Frage auf: Wenn er den Strafvollzug wirklich verändern möchte – warum arbeitet er heute als Anwalt und nicht als Richter? Dort hätte er deutlich mehr Einflussmöglichkeiten. Auch darauf geht er im Interview ein: „Es sollte keine feste Freiheitssprache mehr ausgesprochen werden“.

„Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?“

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