9. November 2017

Was reizt eine 26jährige am Knast?

Sina EichlerSina Eichler, 26, ist neu bei uns in der Geschäftsstelle. Sie hat Soziale Arbeit und evangelische Religionspädagogik an der Hochschule Hannover studiert; jetzt macht sie bei uns ihr Anerkennungsjahr. 

Warum ausgerechnet ins Gefängnis?

„Anfang dieses Jahres habe ich zusammen mit Kommilitonen ein Vater-Kind Projekt in der JVA Sehnde initiiert. Wir wollten Vätern die Möglichkeit geben, sich mit dem komplexen Thema „Vater sein“ auseinanderzusetzen. Bei den Besuchen haben Kinder und Väter dann eine tolle Zeit miteinander verbracht. Das hat viel Anklang bei den Inhaftierten gefunden und mir sehr viel Spaß gemacht. Danach war für mich klar, dass ich erst einmal in der Straffälligenhilfe bleiben möchte.

Zurzeit lerne ich die verschiedenen Arbeitsfelder im Schwarzen Kreuz kennen. Am besten gefällt mir die praktische Arbeit vor Ort im „Projekt Brückenbau“. Ich möchte in diesem Jahr so viel wie möglich an Aktionen und Projekten teilnehmen, auch mit einzelnen Betroffenen arbeiten. Mir gefällt dieser direkte Kontakt mit den Menschen, die zu uns kommen. Zurzeit mache ich dienstags im Kreativcafé mit, und freitags bin ich im Gefängnis im biblischen Gesprächskreis dabei. Die Straffälligenhilfe ist eine Arbeit, die leider bei einigen Menschen Unverständnis hervorruft oder vergessen wird. Ich finde es umso wichtiger, dass man sie immer im Blick behält!

Ausgrenzung als Versagen der Gesellschaft

Die Inhaftierten sind genauso wie wir ein Teil unserer Gesellschaft, Ausgrenzung darf es deshalb nicht geben! Gerade für uns als Christen sollte die Nächstenliebe mit im Vordergrund des Handelns stehen, denn was wäre eine Welt ohne den Dienst am Nächsten! Folgendes Zitat vom Schriftsteller Theodor Weißenborn passt dazu: „Unsere Gesellschaft betrachtet den Außenseiter als Feind. Begreiflich, denn er ist das lebendige Denkmal ihres Versagens.“

Außerdem möchte ich gerne einen Blick in die Öffentlichkeitsarbeit werfen. Auch das wird immer ein wichtiger Bereich meiner Arbeit sein, wenn ich nach diesem Jahr staatlich anerkannte Diakonin und Sozialarbeiterin bin.

Was auch immer das Jahr im Schwarzen Kreuz bringen wird: Spannend wird es so oder so. Ich freue mich auf jeden Menschen, den ich durch die Arbeit kennenlerne, und auf die Erlebnisse und Eindrücke bis Ende September!

 

„Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?“ Wir antworten hier.

Ein Gedanke zu „Was reizt eine 26jährige am Knast?“

  1. Stenzel, Ulrike sagt:

    Ich finde es wunderbar, daß in unserer, oftmals kalten Gesellschaft, Menschen nicht vergessen werden und ausgegrenzt sind. Schön, dass es Menschen wie Frau Eichler gibt. Viel Erfolg weiterhin.

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Gott wird einmal alle Tränen abwischen. Es wird dann keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen. Und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein, dann was früher war, ist dann vergangen.

Offenbarung 21, 3-4
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