
Eine Inhaftierte schreibt: „Irgendwas ist immer … schön“: Am Anfang dachte ich, puh, dieses Thema für unsere Gefangenenzeitschrift wird schwierig. Irgendwas ist hier in Haft ja immer, aber nicht sofort denke ich an etwas Schönes. Gestresst, genervt, gelangweilt sind so einige und das nicht zu selten. Aber davon schreibe ich heute bewusst nicht. Ich schreibe über die Momente, die schön für mich sind.
Der erste schöne Moment in Haft, der mir im Gedächtnis geblieben ist, war mein erster Kaffee nach mehrere Wochen Zwangspause. Erst musste ich drauf warten, dass ich überhaupt einkaufen konnte, und dann war Sparen angesagt – nicht viel Geld, und es wird alles gebraucht von Duschgel über Shampoo bis hin zu Stiften, Papier und Umschlägen. Da konnte ich mir nicht gleich teuren Kaffee kaufen und habe nur Tee getrunken. Aber als es dann endlich so weit war, habe ich es richtig zelebriert. Das Kaffeepulver, das schon so gut gerochen hat, vorsichtig in die Tasse gegeben. Dann das heiße Wasser dazu und wieder den Duft genossen. Und schließlich der erste Schluck – eine wahre Wohltat. Ich weiß nicht mehr, wann mir eine Tasse Kaffee so gut geschmeckt hat wie dieser erste Kaffee nach der Wartezeit.
Dann natürlich ebenso unvergesslich der erste Besuch. Oder mein erster Arbeitstag nach Wochen des Wartens. Wie erfüllend das doch war. Auch heute: Mit anderen Menschen zusammen sein. Die Arbeit macht mir Spaß, und natürlich ist es auch schön, sein eigenes Geld zu verdienen.
Solche kleinen und großen Schönheiten versuche ich jeden Tag für mich zu entdecken, auch für mein seelisches Gleichgewicht. Ich möchte hier in Haft nicht zum miesgelaunten Eigenbrötler werden, sondern die positiven Aspekte bewusst wahrnehmen und damit hoffentlich auch andere anstecken.
Gekürzter und leicht bearbeiteter Artikel aus der Gefangenenzeitschrift HaftLeben der JVA für Frauen Chemnitz
Autorin: MaPa
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Ich danke Gott! Er hat mein Gebet nicht abgewiesen und mir seine Güte nicht verweigert.