
Experten zum Thema Schuld? Ja, die gibt es. Sie bevölkern die Justizvollzugsanstalten. Experten zum Thema Vergebung gibt es leider sehr viel weniger.
Henrike Schmidt ist heute Seelsorgerin der JVA Rottenburg. Für einen Gottesdienst zu dieser Thematik wurde sie 2024 mit dem Gottesdienstpreis ausgezeichnet. Sie sagt: „Schuld und Vergebung sind zentrale Fragen für die Menschen in Haft.“
Und weiter: „Manche werden wegen Bagatelldelikten wie Schwarzfahren, Fahren ohne Führerschein, Diebstahl einer Schachtel Zigaretten o.ä. inhaftiert und fühlen sich als Opfer von Justiz und Gesellschaft. (…) Andere können sich ihre Tat und die Folgen nicht vergeben und die Vorstellung, dass von Gott her Vergebung kommt, ist für sie unglaublich bzw. eine „Zumutung“.
Für alle gilt, dass sie im eigenen Leben keine Vergebung von der Gesellschaft erwarten dürfen, da die Inhaftierung für ihr weiteres Leben schwerwiegende Folgen haben wird (Vorbestrafung, Wohnungssuche, Arbeitsuche, Beziehungen …).
Allen gemeinsam ist zugleich eine große Sehnsucht nach Vergebung und nach innerem und äußerem Frieden.“
Das Geschehen von Weihnachten bietet eine Antwort an auf diese große Sehnsucht. Darum stellen wir Ihnen heute diese Predigt von Frau Schmidt vor, über Schuldorte und Vergebungsorte, eingebettet in die Liturgie des Gottesdienstes, mit einigen Hintergrundinformationen über die besondere Situation in Haft. Als sie diesen Gottesdienst hielt, war Henrike Schmidt Seelsorgerin im Vollzugskrankenhaus und in der Sozialtherapeutischen Anstalt auf dem Hohenasperg.
Gesegnete Feiertage! Und ein gesegnetes neues Jahr!
Gottesdienstablauf und Predigt
Laudatio von Igor Lindner, Vorsitzender der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland
Von Herzen können sich alle freuen, die nach Gott fragen.