
„Ich bin viel lebensfroher geworden.“ Wenn ein Inhaftierter das über seinen Briefkontakt sagt, ist eigentlich alles erreicht, was geht. Da wacht jemand morgens wieder gern auf und packt den Tag mit beiden Händen an. So steigen seine Chancen enorm, das Leben erfolgreich zu bewältigen. Und damit setzt ein Briefkontakt an der allerersten Quelle der Resozialisierung an: beim Menschen selbst und bei dem, was ihn motiviert.
Ute Passarge begleitet im Schwarzen Kreuz bundesweit rund 280 Briefkontakte zwischen Ehrenamtlichen und Inhaftierten. Auf der Jahrestagung am Sonnabend – mehr dazu unten – berichtet sie direkt aus der Praxis: Wie oft wird geschrieben? Was ist mit Telefonaten oder Besuchen? Welche Erfahrungen machen Inhaftierte und Ehrenamtliche?
Kurz: Ein Briefkontakt zwischen Ehrenamtlichen und Inhaftierten kann für beide Seiten eine tiefgreifende Erfahrung sein. Ehrenamtliche erweitern ihren Horizont und lernen neue Lebenswelten kennen. Für Inhaftierte bedeutet dieser Kontakt noch einmal viel mehr – manchmal ist er die einzige verlässliche Beziehung außerhalb der Gefängnismauern. Sie können Standfestigkeit, Selbstvertrauen und mehr Übung im Umgang mit Menschen entwickeln.
Natürlich sind nicht alle Kontakte leicht. Manche Inhaftierte bringen sprachlich, seelisch oder intellektuell kaum Voraussetzungen für einen regelmäßigen Briefwechsel mit. Und trotzdem ist ihr Wunsch nach Kontakt groß. Und dementsprechend groß ist oft ihre Dankbarkeit. Denn sie haben jetzt endlich jemanden, zu dem sie sich hindenken können.
Eins ist klar – die Ehrenamtlichen werden nie allein gelassen mit ihrer Aufgabe. Sie werden in Online-Kursen ausgebildet; sie wissen, dass sich auch Probleme lösen lassen, und sie werden begleitet. Das Ziel: Beide Seiten fühlen sich wohl und wachsen aneinander, in ihrem eigenen individuellen Maß. Und für den Gefangenen bedeutet das, dass er wichtige Schritte auf dem Weg der Resozialisierung geschafft hat. Inklusive Lebensfreude.
Der Nachmittag der Jahrestagung stand ganz im Zeichen der Mitgliederversammlung. Wichtigstes Ergebnis: Nach dem 100. Geburtstag des Schwarzen Kreuzes im letzten Jahr werden jetzt die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Die Geschäftsstelle muss dringend renoviert werden, damit sie auch dann in Zukunft nutzbar ist. Und weiterhin die Weichen stellen kann in Richtung Resozialisierung mit Lebensfreude. Dafür hat die Mitgliederversammlung grünes Licht gegeben.
Zum Bericht der Celleschen Zeitung






Denk daran, dass Hoffnung eine mächtige Waffe ist, selbst wenn alles andere verloren ist.