27. Mai 2019

Jahrestagung: “Horst” und seine Scherben

„Scherben bringen Glück“ – hinter diese Redensart ließe sich wohl zumindest ein dickes Fragezeichen setzen. Nicht nur in der Straffälligenhilfe. Aber da besonders. Ist es etwa ein Glück, dass es im Leben vieler inhaftierter Menschen so viel Zerbruch gibt? Trotzdem, wir hatten uns gerade diesen Satz als Thema unserer Jahrestagung am 18. Mai in Bielefeld gewählt.

Irmtraud Meifert von der Geschäftsstelle zeigte ein Bild von „Horst“. „Horst“ sollte einen Strafgefangenen darstellen. Äußerlich heil. Aber wie sieht er von innen aus, mit all den oft verheerenden Erfahrungen, die viele Strafgefangene im Leben gemacht haben? Irmtraud Meifert zerriss „Horst“ symbolisch in kleine Teile und bat Geschäftsführer Otfried Junk, ihn auf der Flipchart wieder zusammen zu setzen. Nicht so einfach. „Horst von innen” war kaum wiederzuerkennen.  

Da kamen die Tagungsteilnehmer ins Spiel. Auf weißen Papierschnipseln schrieb jeder auf, was sie oder er Menschen ins Gefängnis mitbrachte. Da kam ganz Verschiedenes zusammen – von offenen Ohren und Zeit bis hin zu eigenem Zerbruch und eigenen Fragen. Das Ganze auf die Risse von „Horst“ geklebt ergab ein neues Bild. Kein neuer Horst, kein neues Ganzsein. Aber ein verändertes, ein bunteres Bild, die Risse ein wenig abgemildert. 

Nein, wir als Ehrenamtliche bewirken keine Wunder. Aber was wir tun, kann Nöte ein wenig lindern und vielleicht hier und da zu einer Heilung beitragen. Das ist schon eine ganze Menge. Alles andere liegt nicht in unserer Macht. Da muss ein gewisser Experte ran. Irmtraud Meifert zitierte Blaise Pascal: „Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.“ Und so hat der Satz „Scherben bringen Glück“ dann doch wieder seine Berechtigung. Auch in der Straffälligenhilfe.

Demnächst hier im Blog: Beiträge der Mitglieder

Fotos: “Horst” oben: Jens Roth, pixelio, andere: Schwarzes Kreuz

“Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?”

Die Zeit ist gekommen, Gottes Reich ist nahe. Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft.