19. Januar 2024

Nicht immer einfach: Briefkontakte mit Inhaftierten

Seit einigen Jahren pflege ich regelmäßig Briefkontakte zu Menschen in Haft. So manchem habe ich schon mit Rat zur Seite gestanden. Bei einigen ist das auch dann noch der Fall, wenn sie längst entlassen sind. Bei ihnen hat sich ein enger Kontakt mit gegenseitigem Vertrauen entwickelt, und den Männern ist es wichtig zu zeigen, dass sie in der Lage sind, sich in Freiheit ein neues Leben aufzubauen. Dann führen wir den Kontakt meist per Telefon weiter. Andere sind froh, nach der Entlassung nicht mehr an den Knast erinnert zu werden. Sie brechen den Kontakt zu mir ab. Das ist dann eben so.

Manche Kontakte sind schwierig

Manche Kontakte mit Inhaftierten gestalten sich schwierig. So manch einer teilt viele Interessengebiete mit. Doch wenn ich dann Fragen dazu stelle, kommen keine Antworten.  Ab und zu schon hatte ich das Gefühl, dass jemand einfach nur Post bekommen wollte, um sich weniger einsam zu fühlen, und vielleicht auch, um anderen Inhaftierten zu zeigen: „Draußen denkt jemand an mich!“

Wem zu-gehört wird, der gehört dazu

Manchmal schreiben solche Menschen nur wenige Sätze. Alles klingt ähnlich, und sie greifen meine Impulse nicht auf. Das macht nicht unbedingt Spaß. Aber im Laufe der Zeit habe ich gelernt: Auf meine Impulse kommt es gar nicht immer so sehr an. Es sind Kleinigkeiten, mit denen ich Freude bereiten kann. Das kann auch mal eine bunte Serviette sein. Und manchmal reicht es schon, im Brief das Gefühl zu vermitteln, jemand ist da und hört zu. Denn wem zu-gehört wird, der gehört auch dazu.

Alle sind von Gott geliebt

Schließlich sind wir alle geliebte Kinder Gottes, auch die Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, eine Zeit ihres Lebens im Gefängnis zubringen müssen. Auch mit ihnen möchte ich Gemeinschaft haben.

Gabriele Lämmerhirt-Seibert, Ehrenamtliche im Schwarzen Kreuz

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