Arbeitskreis Osnabrück: Letztes Treffen in U-Haft
Nun ist erst einmal Pause angesagt! Nach vielem Hin und Her durften wir am Donnerstag noch einmal zu einem letzten Gesprächskreis in der Osnabrücker U-Haft im Kollegienwall. Natürlich schade: kein Singen, kein Kaffee und Kuchen, keine Mitbringsel. Aber die persönliche Begegnung, auch mit Masken, ist doch das Wichtigste!
Das Thema lautete: Koch dir dein Leben! Nach kurzem Smalltalk kamen Kartoffel, Möhre, Zwiebel und Brühe auf den Tisch. Die Teilnehmer kamen schnell auf die Idee, dass hier eine Suppe gekocht wird. Jeder konnte dann über seine Lieblingssuppe berichten: Zwiebelsuppe, Erbsensuppe, Gemüsesuppe (afrikanisch).
Dann haben wir gemeinsam überlegt, was denn in eine gute „Lebenssuppe“ gehören müsste: Freiheit, Familie, Freunde. Aber, so habe ich weiter gefragt, wenn das alles vorhanden ist, ist diese Lebenssuppe dann auch gut? Da kamen dann doch Zweifel auf. Einer meinte, Zufriedenheit könne man nicht schaffen, auch nicht durch materiellen Reichtum. Ein anderer wollte lieber nichts mehr mit seiner Vergangenheit zu tun haben, lieber abhauen und im Schlafsack durch die Lande tingeln: Ich kann nicht mehr in mein altes Leben zurück! Es gab viele Tipps, aber auch viele Fragen! Wie komme ich in meinem Leben klar, was erwartet mich nach der Zeit im Gefängnis?
Die Brühe in der Suppe macht sie erst richtig schmackhaft, das war allen klar. Für mich ist die Brühe in der Suppe vergleichbar mit der Erfüllung in meiner Lebenssuppe. Echte Erfüllung kann mir nur Gott schenken, echten Frieden, echte Freiheit, Liebe ohne Gegenleistung, Wertschätzung auch bei negativer Schufa-Auskunft. Ich hatte den Eindruck, dass die Teilnehmer das verstanden. Zum Schluss haben wir noch ein Musikvideo mit Andrea und Albert Frey gesehen: Damit wir das Leben haben! Sehenswert und ansprechend.
Nach vielen guten Wünschen und einem Segensgebet verblüffte uns unser „kritischer“ Teilnehmer. Nachdem alle AMEN gesagt hatten, fügte er hinzu: „…und besonders deinen Segen für die Familie Engelmann!“ Das hat uns sehr berührt, gerade von ihm hätten wir es gar nicht erwartet!
Ob die Verbindungen bestehen bleiben, wird die Zukunft zeigen. Dennoch glauben und hoffen wir, dass Gott mit „unseren Männern“ geht. Wir haben Leben geteilt, Vertrauen aufgebaut und Liebe gegeben. Was kann schöner sein? Unser afrikanischer Teilnehmer meinte zu uns, dass er sich den ganzen Tag lang gefreut hätte, als er morgens gehört habe, „that my mom is coming today…“ (Gemeint ist meine Ehefrau Petra…) Wir konnten nicht umhin, unserem geliebten Knast noch Tschüss zu sagen, siehe das Foto oben…
Uwe Engelmann
Fotos: Uwe Engelmann
„Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?“
Ich danke Gott! Er hat mein Gebet nicht abgewiesen und mir seine Güte nicht verweigert.