28. Februar 2020

Johannes Moser liebt Auftritte in Gefängnissen

Johannes Moser gehört zu den Cellisten der Weltklasse. Besonders gern tritt er an einem Ort auf, zu dem es kaum einen hinzieht: im Gefängnis. Das macht er ehrenamtlich für die Organisation „Live music now“, einst von Yehudi Menuhin gegründet. Sie schickt Musikerinnen und Musiker an Orte mit Menschen, die nicht ins Konzert gehen, weil sie entweder nicht dazu in der Lage sind oder kein Geld haben. Das betrifft Altenheime, Krankenhäuser, Hospize, Waisenhäuser, Einrichtungen für Behinderte oder eben Gefängnisse. Davon erzählte Johannes Moser spiegel online im letzten Jahr.

Was in Konzerthallen niemals passieren würde

Raus aus dem Elfenbeinturm der Klassik rein in die Gefängnisse. Mit Puls auf 180. „Da werde ich erst einmal ziemlich durchgecheckt.“ Außerhalb der Konzertsäle weiß er nie, wie seine Zuhörerinnen und Zuhörer reagieren. Alles ist drin.  Und er erlebt „Sachen, die in Konzerthallen niemals passieren würden.“ In einem Frauengefängnis trat er mit einer Sängerin auf. Als sie ein Wiegenlied von Brahms spielten, verließen mehrere Frauen den Saal. „Ich bin sicher, sie dachten in diesem Augenblick an ihre Kinder außerhalb der Gefängnismauern.“

Wohnungsloser als Klassikexperte

Wo auch immer er auftritt, immer wieder gibt es Überraschungen. So kann sich ein zerlumpter Wohnungsloser auch schon mal als Klassikexperte erweisen. Solche Erlebnisse haben ihm gezeigt, wie wichtig es ist, auch denjenigen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, die von der Gesellschaft kaum wahrgenommen werden. „Und nicht von oben herab nach dem Motto: Ich, der große Künstler, spende euch jetzt Kultur und widme euch eine Stunde meines Lebens.“

Die Resonanz an diesen ungewohnten Orten überrascht ihn nicht. „Nicht die klassische Musik ist elitär, die spricht so gut wie jeden an. Elitär ist das Konzert, weil es sich nicht jeder leisten kann.“

Vollständiges Interview

“Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?”

Foto: Copyright Johannes Moser

Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit dem teilen, der nichts hat.