7. Mai 2021

Inhaftierter erzählt: Die Stimme in mir

Mann lauscht mit geschlossenen Augen
Foto: A.R., pixelio

“Ich glaube an den Geist, den man im Herzen spürt, der überall zugegen, uns Gottes Wege führt. Er wird die Welt verwandeln, und treibt uns weiter an, in Gottes Sinn zu handlen. Ich glaube daran.” (Gotteslob 836,3)

Ich glaube nicht nur, ich habe erfahren, dass es eine innere Stimme gibt, die mir sagt, welche Wege ich gehen muss, um trotz schwerster Schuld und Verantwortung ein Leben mit Sinn führen zu können. Seit vielen Jahren leitet sie mich. Anfangs ging sie in meinem inneren Lärm fast unter. Dann wurde es leiser und ich konnte sie besser hören. Manchmal überrascht sie mich. Einige schauen ungläubig, wenn ich davon erzähle. Immer stellte es sich jedoch hinterher als gut heraus, dass ich ihr gefolgt bin. Nicht nur für mich, sondern auch und vielleicht noch mehr für Opfer und Angehörige.

Woher kommt diese Stimme? Das weiß ich nicht. Ich nenne sie Jesus, weil ich einen Namen brauche, um ihr danken zu können. Ganz sicher ist sie mehr als meine eigenen Ideen, Schlussfolgerungen oder Bauchgefühle – zumindest mehr von alldem, als ich je erlebt habe, bevor ich einen Menschen auf dem Gewissen hatte.

Was rät mir diese Stimme? Schütze und bewahre die Vergangenheit! Zukunft braucht Herkunft: Was lange Zeit gut, schön und richtig war, darf nicht im Rückblick nur deshalb falsch erscheinen, weil am Ende ein Mensch tot ist. Gib Deinen Gefühlen einen Raum! Dann kann Dich die Last der Gedanken nicht zu Boden drücken. Nutze Deine Talente, um Dich Deiner selbst zu vergewissern! Nur wenn Du aufrecht stehst, kannst Du anderen, die Dich brauchen, ein Stütze sein. Der Alltag hinter Gittern ohne Familie, Freunde und Natur bleicht die Seele aus. Aber Du musst dagegenhalten, solange es geht – um derentwillen, die zu dir halten und auf Dich warten.

B.S.K. Gefangener der JVA Butzbach

Der Unterdrückte ist nicht für immer vergessen, und wer vom Leid gebeugt ist, muss seine Hoffnung nicht aufgeben.