13. Mai 2020

Gefangener bastelt für Briefpartnerin

Ich bin Kalenderfan! So fallen jedes Jahresende eine Menge „alter“ Kalender an. Zum Wegwerfen sind sie zu schade. Zusammen mit meinem inhaftierten Briefpartner Herrn P. habe ich eine Lösung gefunden. Und die hilft uns beiden, gerade jetzt in Corona-Zeiten.

Herr P. bastelt gerne und das sehr akkurat, nur mit einer Bastelschere für Kinder und einem Lineal. Das findet Bewunderung auch bei denen, die etwas davon verstehen. Ein  Schneidemesser wurde verständlicherweise nicht genehmigt :-).

Individuelle Umschläge für die Briefpartnerin

Ich schicke ihm Tonpapier-Blöcke, große Briefumschläge( zum Verschicken der fertigen Produkte) und auf A4 zugeschnittene Kalenderblätter. Daraus bastelt er A5-Umschläge. Kleinere Blätter ergeben B6-Format. Mit dem Tonpapier gestaltet er die Rückseite. Zuhause klebe ich ein weißes Etikett für die Adresse auf und habe so jederzeit einen schönen Umschlag parat. Je nach Geschmack oder Vorlieben der Briefempfänger suche ich dann ein passendes Motiv aus. Das ermöglicht mir ganz individuelle Post.

Beide Seiten gewinnen

Es ist eine Win-Win-Situation. Herr P. hat eine zumindest kleine sinnvolle Beschäftigung – in einer Situation, wo er viel Geduld und Ausdauer haben muss. (Was wir jetzt durch Corona lernen müssen, müssen die Gefangenem schon lange können…). Da kann er ganz „abtauchen“. Und ich freue mich nicht nur über seine Post, sondern gleichzeitig über die beiliegenden neuen Kreationen und bin gespannt, was er wieder Schönes gestaltet hat. Zu Weihnachten macht er auch Karten aus zugeschnittenem Geschenkpapier.

Jedes Mal, wenn solch ein großer Umschlag von ihm ankommt, freue ich mich, und diese Freude kann ich sogar weiterverschicken :-). Und das wiederum freut Herrn P.

Konstanze Buddruss, Ehrenamtliche im Schwarzen Kreuz

 

“Warum helfen Sie im Schwarzen Kreuz ausgerechnet Kriminellen?”

Fotos: Konstanze Buddruss und Schwarzes Kreuz

Das wahre Licht ist Jesus, der in die Welt gekommen ist, um für alle Menschen das Licht zu bringen.