
Ein Zuhause? Für die meisten selbstverständlich. Aber wer es nicht hat, der träumt von kaum etwas mehr. Ein Ort, an dem man sicher ist, von wo aus man sein Leben gestalten kann.
Wer aus der Haft entlassen wird, hat einen solchen Ort oft nicht mehr. Was ist zu tun, damit die Resozialisierung gelingt? Darum ging es am Dienstag beim Brückenbaufest in unserer Celler Anlaufstelle für Straffällige. Mit dabei waren zahlreiche Personen aus Justiz, Politik, Sozialwesen, Kirche und natürlich Ehrenamtliche und Haftentlassene, die sich im Anschluss bei Musik und Grillen über das Gehörte austauschten.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Haftentlassene zu unterstützen. Die Mitarbeitenden der Celler Anlaufstelle kümmern sich individuell um jeden Straffälligen, der um Hilfe bittet. Steht eine Haftentlassung bevor, unterstützen sie beispielsweise bei der Wohnungssuche, bei bürokratischen Formalitäten und bei den ganz alltäglichen Dingen des Lebens. Damit möglichst niemand in eine Situation gerät wie eine Celler Obdachlose, von der Karin Abenhausen in ihrem Grußwort eindrücklich berichtete. Die Kandidatin für das Celler Oberbürgermeisteramt schilderte eine Begegnung mit der Frau, die im Sommer am liebsten in Ackerfurchen übernachtet – kaum bemerkt von der Gesellschaft. „Wir brauchen ein Miteinander unserer jeweiligen `Bubbles´, sonst franst unsere Gesellschaft aus“, sagte Abenhausen.



Ein Zuhause für jeden Menschen – genau wie Karin Abenhausen unterstrich auch der Neuenhäuser Ortsbürgermeister Dr. Jörg Rodenwaldt, dass dieses Anliegen allerhöchste Priorität haben müsse. „Nur von einem solchen sicheren Ort aus sind Neustart und Resozialisierung überhaupt möglich.“ Beide dankten den Menschen, die sich in der Anlaufstelle „mit Herzblut“ für diese Randgruppen einsetzen.
Ute Pankow stellte den Celler Kalandhof vor, den sie leitet. Hier können 56 Menschen in besonderen Lebenslagen eine Heimat auf Zeit finden, in der sie zur Ruhe kommen und ihre Zukunft planen können. Mitarbeitende sind rund um die Uhr vor Ort. Sie helfen, die nötigen bürokratischen Schritte anzugehen und das ganz alltägliche Leben zu gestalten. Einer von ihnen ist Tristan Reed, der das „Housing first“ erläuterte – ein Projekt, das zurzeit unter anderem in Hannover erprobt wird.



Aus der Nähe von Neubrandenburg angereist war Bernd Osiablo, der dort das Blaukreuz-Zentrum Schloss Zahren leitet. Auch hier werden Menschen für eine Übergangszeit begleitet, bis sie auf eigenen Füßen stehen können. Das Besondere: Die Bewohner bewirtschaften den Hof selbst. „Wir heizen zum Beispiel mit Holz, und sie wissen: Wenn sie kein Holz hacken, können sie nicht warm duschen.“ Kochen, einkaufen, waschen, putzen, Tiere füttern – so lernen sie gleichzeitig wertvolles Knowhow für die Zukunft. Immer zu beachten: „Es sind verletzte Menschen.“ Nicht alle schaffen den Übergang in ein selbständiges Leben. Aber auch dann finden sich Lösungen.
Durchaus hoffnungsvoll war also der Ausblick der Rednerinnen und Redner an diesem Nachmittag. Es gibt Hilfsmöglichkeiten und passenden Wohnraum, ja, aber nicht genug. Wichtig, wie Karin Abenhausen unterstrich: Man muss hinsehen wollen und die Menschen in schwierigen Lebenslagen vom ersten Schritt an begleiten. Das sei sogar wirtschaftlich gesehen die bessere Lösung: „Wer in der Gesellschaft wieder Fuß fasst, kostet langfristig weniger.“













Fotos: Schwarzes Kreuz
Gott hat euch zur Freiheit berufen! Aber missbraucht eure Freiheit nicht als Freibrief zur Befriedigung eurer selbstsüchtigen Wünsche, sondern dient einander in Liebe.