12. Mai 2017

Jahrestagung: Wie bleibe ich im Ehrenamt gesund?

Auch im Gefängnis sollte man sich wohlfühlen. Jedenfalls als Ehrenamtliche/r. Wie man im Ehrenamt gut für sich sorgt, speziell unter den Bedingungen des Strafvollzugs, darum ging es am letzten Wochenende auf unserer Jahrestagung in Springe.

Irgendwie müde geworden in der letzten Zeit? Woran kann es liegen? Walter Punke, Organisationsberater und Vorstandsmitglied, empfiehlt, die eigene Tätigkeit regelmäßig unter drei Aspekten abzuklopfen: Verstehe ich die Zusammenhänge in meinem Umfeld? Kann ich sie handhaben und beeinflussen? Und schließlich: Empfinde ich meine Tätigkeit als bedeutsam? Aaron Antonovsky hat diese Fragen einst unter dem Schlagwort Salutogenese entwickelt. Sie sind auf alle möglichen Lebens- und Arbeitssituationen anwendbar.

 

Bewunderung und Ablehnung

Wer in seiner Freizeit Straftäter dabei unterstützt, neue Lebenswege zu finden, hat oft erst einmal keine idealen Bedingungen für Salutogenese. Das System einer JVA ist schwer durchschaubar und von Außenstehenden so gut wie gar nicht zu beeinflussen. „Wird denn die Arbeit der Ehrenamtlichen in Ihrer und eurer JVA wenigstens wertgeschätzt?“ fragt Punke. Kopfnicken und spontane Zustimmung kommen zurück, aber auch: „Bei uns fühlen wir uns wie Störenfriede.“ Und die Anerkennung in der Gesellschaft? Auch unterschiedlich. Da gibt es Ablehnung genauso wie Bewunderung und vor allem Berührungsängste. Wer Menschen im Gefängnis den Rücken stärkt und sie begleitet, irritiert andere und muss sich oft erst einmal erklären.

 

Spielräume nutzen

 

Ein Lösungsvorschlag: Die Spielräume, die man hat, nutzen; mögen sie auch klein sein. Nicht das ganze System verstehen oder beeinflussen wollen, aber zum Beispiel einen guten Draht zum zuständigen Mitarbeiter suchen. Und beim Smalltalk auf der nächsten Geburtstagsparty mutig das vertreten, was man macht – auch wenn man in skeptische Augen sieht.
Denn der eigene Einsatz lohnt sich: Im Bereich Bedeutsamkeit und Sinn schneidet er sehr gut ab. „Ich hätte früher nie gedacht, dass ein Briefkontakt zu einem Menschen im Gefängnis mich so bereichert“, heißt es da, oder: „Es ist einfach schön, die Dankbarkeit zu spüren, die die Inhaftierten einem entgegen bringen.“ Und wer dann noch erlebt, dass derjenige, den er unterstützt, nach der Entlassung wieder Fuß fasst – das entschädigt für so manches andere.

 

Materialien zur Salutogenese:

Engagiert und gesund: Selbstsorge im Ehrenamt (pdf)
Was hält Menschen gesund? (pdf)
Was brauche ich zur Selbstsorge? (pdf)
Und die erfrischend unkonventionellen Gebote gegen Stress der Kirche von England (pdf)

 

Bericht in Celle heute

 

Lasst eure stolzen Reden und frechen Worte! Wisst ihr denn nicht, dass Gott alles hört, was ihr sagt, und dass ihm nichts entgeht, was ihr tut?