7. Dezember 2016

Projekt Brückenbau: Gesprächskreis in der JVA Celle

2016-12-07-riske-wolfgang_ausschnittÜber Gott und die Welt sprechen, mit Bibeltexten als Grundlage: Das machen die Inhaftierten und die Menschen von „draußen“, die freitags von 17.30-19.30 Uhr in der JVA Celle zusammenkommen. Wolfgang Riske erzählt, was für ihn so besonders daran ist (Auszug aus „Projekt Brückenbau aktuell“ 1/16):

 

„Keiner von uns ist ein toller Typ“

(…) Diese zwei Stunden am Freitag geben mir so viel. Ich mag diese einfache, ehrliche Atmosphäre, die ich so selbst in anderen christlichen Gruppen nicht finde. Hier versucht keiner, dem anderen vorzumachen, wie toll er ist. Das würde nicht funktionieren. Diese Männer haben sozusagen alle per Strafgesetzbuch bescheinigt bekommen, dass sie Sünder sind. Sie können sich nicht rausreden. Bei uns in den Gemeinden reden wir zwar auch alle davon, dass wir Sünder sind. Aber das ist mehr theoretisch, denn eigentlich finden wir uns ja doch alle ganz gut. Insgeheim denken wir oft, Gott könne doch ganz zufrieden mit uns sein.

Hier im Knast dagegen ist die Sache klar: Keiner von uns ist ein toller Typ. Wir alle sind abhängig von Gott und seiner Gnade, die er uns durch Jesus Christus geschenkt hat. Und er ist nun mal vor allem zu den Außenseitern, den „Geringsten“, gekommen. Insofern ist der Knast ein Teil seines Wirkungsbereichs.

 

Feine Antennen

2016-121-07-kreuz-vor-gefaengnis_thomas-gerdesWas ich an den Inhaftierten in der Gruppe noch besonders mag: Sie haben ausgesprochen feine Antennen für andere Menschen. Sie spüren, wer es gut mit ihnen meint und wer ihnen etwas vormacht. Mit falschen Fassaden und Selbstdarstellung braucht man ihnen gar nicht erst zu kommen. Es klingt vielleicht merkwürdig, aber ich mag an ihnen, dass sie so ehrlich sind!

Wir Ehrenamtlichen von „draußen“ in der Gruppe haben ganz verschiedene Glaubenshintergründe. Überzeugte Christen sind wir alle. Auch wenn wohl jeder mal so seine Schwierigkeiten mit der Einstellung eines anderen hat, so haben wir doch gelernt, einander nicht nur zu tolerieren, sondern unsere Unterschiede auch als Bereicherung zu sehen.

Schließlich sind die Inhaftierten auch verschieden. Wer in der Diskussion mit meinem Standpunkt nichts anfangen kann, kann aber vielleicht nachempfinden, wie Ute oder Horst die Sache sehen, und so im Laufe der Zeit seinen eigenen Weg finden. Oft geschieht das ganz leise, zart, auch von uns kaum bemerkt. Manchmal ist irgendwann zu spüren, dass sich in der Ausstrahlung des Inhaftierten etwas verändert hat. Und wenn mir so etwas auf einmal bewusst wird, ist das eine richtig tolle Erfahrung.“

 

Weiterer Erfahrungsbericht: Gottes Liebe hinter Gittern
Foto: Thomas Gerdes – danke in die JVA Oldenburg!

 

Wenn Sie den Bibel- und Gesprächskreis kennenlernen möchten, sprechen Sie bitte Frau Gremmel an (Tel. 05141 94616-21; gremmel@projekt-brueckenbau.de).

 

 

Lasst eure stolzen Reden und frechen Worte! Wisst ihr denn nicht, dass Gott alles hört, was ihr sagt, und dass ihm nichts entgeht, was ihr tut?