22. Juni 2012

„Mein Mann sitzt im Gefängnis“

Eine Paarbeziehung ist erheblichen Belastungen ausgesetzt, wenn einer der Partner im Gefängnis ist. Die Ehefrau eines Inhaftierten beschreibt, wie sie aus ihrer Sicht die Situation in der JVA erlebt:

„Ich habe am Anfang überhaupt nicht begriffen, warum sich mein Mann so verändert hat. Er war misstrauisch, aggressiv, dann ängstlich und total zu. Die Sprechstunden entwickelten sich manchmal zu einem totalen Horror. Ich war geladen, weil die Kontrolle an der Pforte zu langsam ging und die Beamten wieder mal irgendeinen saublöden Spruch auf den Lippen hatten und kam ziemlich genervt im Sprechzentrum an. Er war geladen, weil er hatte warten müssen und ihm dabei Gedanken durch den Kopf gegangen sind: „Sie kommt nicht, sie hat die Schnauze voll, es ist etwas passiert.“ Wir brauchten einen nicht unerheblichen Teil der Sprechstunde, um unser Verhalten wieder zu normalisieren, bevor wir ganz offen miteinander reden konnten.

 

Wie zwei verschiedene Sprachen

Bei jeder  Sprechstunden war ein unheimliches Bemühen da, keine schwierigen Themen anzusprechen, aus lauter Angst, wir könnten uns in die Haare bekommen und einen Streit nicht mehr beilegen können, bevor der Beamte kommt und der Besuch zu Ende ist. Ich habe alles, aber auch wirklich alles, zu hören bekommen, was im Knast nicht richtig läuft, wer Scheiße ist, wo es Ärger gab.

Ich war manchmal total frustriert, weil ich gedacht habe: „Mann eh, ich habe draußen auch Probleme (…).“ Wir redeten manchmal zwei verschiedene Sprachen. Er macht schöne Pläne für die Zukunft nach der Entlassung, und ich habe gar nicht den Mut, ihm diese Träume zu nehmen, aber mir kommt das manchmal alles unrealistisch vor. Im Augenblick gibt es nur Knüppel zwischen die Beine, und ich mach mir manchmal echt Sorgen, dass einer von uns dieser Belastung nicht standhält.“

Aus der Berliner Gefangenenzeitung Lichtblick, „Mitteilungen von Angehörigen“
Foto: Alexander Dreher, pixelio

 

 

3 Gedanken zu „„Mein Mann sitzt im Gefängnis““

  1. jule sagt:

    guten Morgen,
    mein Partern,der massive alkohoprobleme seit jahren hat, hat nun davon die quittung, und muss für ca. 4-5 Monate in die JVA, wo er seit 1,5 Wochen ist-ca. 100 km weg von mir.
    Es ist sehr schwer, damit umzugehen, die täglichen Telefonate gehen nicht mehr wie vorher, die Nähe und die Vertrautheit fehlen…ich habe Angst, wie es wird, wenn er wiederkommt. Wir haben getrennte Wohnungen, und er hat seine Wohnung gerade noch so halten können mit Hilfe des Amtes.
    Was würden Sie mir empfehlen, um daran nicht zugrunde zu gehen?
    ich möchte Ihn nicht alleine lassen, wegen Ihm bin ich nach hessen gezogen. Doch es gab auch viele traurige Momente wie Klinikaufenthalt 5 x bei Ihm und Ausnüchterungszelle bei Polizei, dann meine Überforderung wegen allem, das in sv endete mit Intensivklinikaufenthalt…
    ich habe ein Trauma, muss mich schützen, möchte uns abe rnicht aufgeben…
    LG,
    Jule

  2. skreuz sagt:

    Liebe Jule,
    bitte mailen Sie uns unter info@schwarzes-kreuz.de Ihre Mailadresse und am besten auch Ihre Telefonnummer, damit wir uns mit Ihnen direkt in Verbindung setzen können.

  3. Kathatina sagt:

    Hallo ich heiße Katharina bin 34 Jahre alt ich hab zwei Kinder mein Mann sitzt im Gefängnis seit 9 Monaten er hat eine Strafe von 4 Jahren das ist die erste Haft ich empfinde diese Haftzeit sehr belastend und anstrengend ständig diese fahrbereit das immer zu hören nie gefragt werden wie es uns geht wie wir uns fühlen was wir durchmachen es ist ein Achterbahn der Gefühle mal Hass mal liebe mal Entfremdung ich erkenne mein Mann nicht wieder die Haft macht mich traurig wütend wie soll ich damit umgehen lohnt es sich zu warten zu hoffen ob man geliebt wird ob man noch seine Frau ist die er geheiratet hat fühle mich leer und von mein Mann schlecht behandelt es dreht sich alles nur um ihn die Besuche sind sehr kurz in der neuen jva 45min was sagt man wie verhalte ich mich richtig bei den Mann den ich sehr geliebt hab aber jetzt kommt er mir so fremd vor als wenn da nichts mehr wäre je länger er sitzt desto mehr Zweifel und Ängste ihn doch verlieren zu können hab ich meine Gefühle spielen verrückt manchmal denke ich es ist besser so wie es ist für uns alle dann wieder liebt er mich noch bin ich ihn noch wichtig als seine Frau fühlt er das was ich fühle fühlt er nichts was geht in sein Kopf vor die Briefe sind immer gleich geschrieben es frustriert mich wenn ein Brief kommt da ich weiß was drin steht die Stimmung wechsel von mein Mann wie lange ertrage ich das noch hat unsere Ehe noch ein Sinn dafür zu kämpfen?????Diese Lasten Beschäftigten mich den ganzen tag sie sind sehr belastend

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Den Hochmütigen stellt sich Gott entgegen. Aber wer gering von sich denkt, den lässt er seine Gnade erfahren.