14. März 2013

Kirche bietet Chancen für Entlassene

„Da ist einer gerade aus dem Gefängnis entlassen – wer von Ihnen würde denn so jemanden bei sich zuhause aufnehmen?“  Fünf, sechs Hände gehen schließlich hoch. „Das ist eine gute Sache; Sie müssten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass das nicht immer so einfach ist“, ergänzt Otfried Junk. Einen Vormittag lang beschäftigen sich etwa 30 Studentinnen und Studenten mit den Thema Straffälligenhilfe; die Biblisch-Theologische Akademie Wiedenest hat das Schwarze Kreuz zu einer Gastvorlesung eingeladen.

Über lange Jahre hinweg sehnen sich Inhaftierte danach, endlich wieder frei zu sein – und haben doch vor kaum etwas anderem so viel Angst: Frisch aus dem Knast, wer gibt ihnen da eine Wohnung und Arbeit, und wer bietet ihnen Gemeinschaft, so dass sie nicht wieder in alte unheilvolle Verbindungen zurückfallen?

 

Vollwertige Mitglieder in Kirchengemeinden

Kirchengemeinden können da eine wichtige Rolle spielen. Ute Passarge erzählt vom Beispiel Freiburg. Der Arbeitskreis des Schwarzen Kreuzes dort hat Verbindung zu mehreren Gemeinden, bei denen Entlassene willkommen sind und sich als vollwertige Mitglieder fühlen. Das erleichtert es ihnen, neue Kontakte zu knüpfen und wieder in der Gesellschaft anzukommen. „In vielen Gemeinden dagegen ist das Risiko hoch, dass  man einfach die Handtasche unter den Arm klemmt und sich wegdreht, wenn Entlassene kommen.“

Was aber können Kirchengemeinden konkret tun? Eine Menge praktikabler Vorschläge trugen die Studenten zusammen. Da kamen Anregungen wie Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche, thematische Gottesdienste, gemeinsam verbrachte Zeit – und eben die Frage, ob man einen Entlassenen auch vorübergehend bei sich aufnehmen würde.

Ein Neuanfang ist für alle Haftentlassenen eine große Herausforderung. Kirchengemeinden hätten  hier einen klaren christlichen Auftrag, den sie viel zu wenig wahrnehmen, so Otfried Junk.  Sie könnten Haftentlassenen große Chancen bieten. „Gerade diejenigen, die einen Weg mit Gott eingeschlagen haben – wo sonst könnten sie ihn weiterführen? Und wenn sie außerhalb des Gefängnisses niemanden mehr haben  – wo sonst werden sie aufgefangen, wenn sie mal nicht mehr weiterwissen?“  Es wäre großartig, wenn Gemeinden hier viel mehr aktiv werden würden.

Foto: pixelio, Dieter Schütz

Den Hochmütigen stellt sich Gott entgegen. Aber wer gering von sich denkt, den lässt er seine Gnade erfahren.