5. Dezember 2014

JVA für Frauen: Eine Seelsorgerin erzählt

Ein Jahr lang arbeite ich nun schon in der Gefängnisseelsorge der Frankfurter Frauenvollzugsanstalt. So langsam finde ich mich in den Zuständigkeiten und Vorschriften zurecht. Das Meer der Bedürftigkeit der Frauen scheint nach wie vor unendlich zu sein. Langsam lerne ich, Prioritäten zu setzen. Einfach ist das nicht. Was ist wichtiger? Das Telefonat mit den kleinen Kindern oder den kranken alten Eltern? Das Gespräch mit der Frau, die seit Tagen allein in ihrer Zelle sitzt und sie nicht verlässt? Oder das Gespräch mit den Beamten, die jeden Tag eine psychisch schwer kranke Frau betreuen?

Natürlich kann man vieles nach und nach abarbeiten. Aber dann gibt es wieder Tage, an denen scheinbar alle gleichzeitig Probleme haben. Da ist es dann hilfreich, dass das ökumenische Miteinander mit meiner evangelischen Kollegin gut funktioniert und wir uns bei der Betreuung der Frauen absprechen können.

 

Auch materielle Bedürfnisse

Immer wieder gibt es auch materielle Bedürfnisse. Ein paar Beispiele:

Eine Frau aus Afrika hat in Deutschland keine Kontakte, spricht nur englisch und sitzt meist allein in ihrem Haftraum. Arbeiten darf sie nicht, da sie eine Komplizin im Gefängnis hat. So hat sie keinerlei Geld und kann nicht einmal die Mietgebühr für einen Fernseher zahlen.

Eine Frau aus Amerika muss dringend mit ihrer Familie telefonieren, das Telefongeld für diesen Monat ist aber schon aufgebraucht.

Einige möchten gern Weihnachtsschmuck für ihre Hafträume basteln und Weihnachtskarten zum Versenden an ihre Familien. Dafür brauchen sie Bastelmaterial.

Und die Frauen, die gar kein Geld haben, brauchen zumindest Briefmarken für ihre Post.

Zum Glück habe ich Menschen gefunden, die uns mit Spenden unterstützen. Darum konnte ich diesen und vielen anderen Frauen helfen. Und ich hoffe, dass es auch im nächsten Jahr wieder gelingt, wenigstens dort etwas tun zu können, wo es am nötigsten ist.

 

Pia Arnold-Rammé, kath. Gefängnisseelsorgerin JVA Frankfurt III

Foto: Pauline, www.pixelio.de

Ein Gedanke zu „JVA für Frauen: Eine Seelsorgerin erzählt“

  1. claus ludwig dieter sagt:

    Eigentlich suchte ich die evangelische Seelsorge, aber vielleicht können Sie mir helfen.
    Wir haben eine Kollekte für die Weihnachtsfeier der Gefängnisseelsorge JVA Frankfurt III gesammelt, wohin können wir die Überweisung schicken?

    Vielen Dank im Voraus
    Claus Ludwig Dieter

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Gott sagt: Ich bin euer Gott, der für euch da ist.