28. Juli 2017

„Ich kann mir nicht verzeihen“

 

„Ich kann mir nicht verzeihen, was ich getan habe. Das ist die eigentliche Strafe für mich. Nicht einmal nachts komme ich zur Ruhe.“ So beschreibt Frau D., seit wenigen Wochen in Haft, ihre Situation. Weniger die bevorstehende Haftzeit, die Trennung von den Angehörigen und der Gefängnisalltag machen ihr so sehr zu schaffen, sondern ihre Selbstvorwürfe. Ich spüre vor allem Trauer und Scham bei ihr über das Geschehene. Beides nimmt ihr viel von ihrer Kraft und ihrem Mut, den sie früher hatte. Mir kommt ein biblisches Wort (aus 5. Mose 2,7) in den Sinn: „Gott hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen.“  Haftzeit kann zur Wüstenzeit werden. Doch Gott ist da. Wenn das Herzensgepäck zu schwer wird, dann trägt Gott mit. Und vielleicht kann es einen Gebetsmoment lang gelingen, das Schwere loszulassen. „Kommt atmet auf, ihr sollt leben …“ – so singen wir wenige Tage später im Gottesdienst. Und Frau D. ist dabei.

Anne Straßberger, Seelsorgerin in der JVA Chemnitz

Aus unserem Kalender AUSGESPROCHEN 2017

Foto: Dirk Schelpe, pixelio

 

Wann immer unser Gewissen uns anklagt, dürfen wir wissen: Gott in seiner Größe ist barmherziger als unser eigenes Herz. Wir können uns voll Zuversicht an ihn wenden (1. Johannes 3, 20+21).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie kann jemand einem stummen Götzen vertrauen, den er selbst gemacht hat?