2. Mai 2014

Gottes geliebte Töchter

 

Seit letztem Herbst arbeite ich im Frauengefängnis in Frankfurt-Preungesheim in der katholischen Gefängnisseelsorge. Ich bin Nachfolgerin von Dr. Beatrix Smerekovska. In den Monaten davon habe ich von ihr wertvolle Hilfe und Unterstützung und eine gute Einführung in mein neues Arbeitsfeld bekommen.

Trotzdem ist vieles neu für mich. Ich lerne jeden Tag dazu. Ich lerne immer mehr Frauen kennen und immer mehr Lebensschicksale. Ein zentrales Thema dabei ist immer wieder Gewalt. Viele Frauen haben über Jahre hinweg, oft schon als Kinder, Gewalt erfahren. Einige wurden darüber auch selbst gewalttätig. Viele Frauen sind verzweifelt.

 

Auch materielle Nöte

Nicht nur die seelische, auch die materielle Situation der Frauen ist oft desolat. Da ist zum Beispiel die Frau, die keine Arbeit hat und den ganzen Tag und die ganze Nacht allein in ihrer Zelle sitzt. Einen Fernseher, der 20 Euro im Monat Gebühr kostet, kann sie sich nicht leisten. Oder die Frau, die aus der Untersuchungshaft entlassen wird und zu ihren Kindern nach Polen zurückkehren will, aber kein Geld für die Fahrkarte hat. Zum Glück habe ich die einen oder anderen Unterstützer von „draußen“ gewonnen, die in einigen Härtefällen helfen konnten.

Meine Aufgabe sehe ich vor allem darin zuzuhören, auszuhalten und vielleicht etwas Trost und Hoffnung zu geben. Und den Frauen zu zeigen, dass sie trotz ihrer Taten Menschen sind und noch mehr: Gottes geliebte Töchter.

Pia Arnold-Rammé

Foto: Pauline, www.pixelio.de

Presie Gott, den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.