15. Juli 2016

„Frauen in Haft wirken oft entwurzelt“

Was ist das Besondere an der Situation von Frauen in Haft? Das erzählt Christoph Haase, der Leiter des Arbeitskreises Chemnitz. Er begleitet inhaftierte Frauen:

Als wir noch Männer begleiteten, haben wir manchmal erlebt, dass sie ihre Inhaftierung als eine besonders männliche Form ihrer Lebenskarriere verstanden. Im Umgang miteinander sorgten klare Ansagen und nachdrückliche Gewalt für „Ordnung“ im Herrschaftssystem. Die Haftzeit nutzten manche zur Planung weiterer fragwürdiger Unternehmungen in der kommenden Freiheit. So war auch oft eine rückschauende, reuevolle Aufarbeitung ihrer Vergehen nicht auf der Tagesordnung.

Frauen dagegen wirken in der Haft oft entwurzelt: Sie kommen mit der Trennung von ihrer Familie schwerer klar als Männer und leiden stärker unter der Einsamkeit und Entmündigung in Haft. Sie zeigen ihren Schmerz oft bis hin zum Weinen und suchen Nähe und Wärme. Wir beobachten aber auch Mobbing und „Zickenkrieg“.

 

Reagieren die inhaftierten Frauen bei Bediensteten auf Männer anders als auf Frauen?

C. Haase: In unserer JVA hatten männliche Bedienstete eine Zeitlang keinen direkten Kontakt zu den inhaftierten Frauen, da es vereinzelt zu sexuellen Übergriffen von Bediensteten gekommen war. Die Abwesenheit von männlichen Bediensteten aber hatte dann zu Unruhen unter den inhaftierten Frauen geführt. So wurden wieder einige männliche Bedienstete in den täglichen Vollzug integriert. Offenbar gehört es zum ganzheitlichen Menschsein, dass Frauen und Männer einander begegnen. Auf Männer reagieren die inhaftierten Frauen wahrscheinlich neugieriger. In unserem Arbeitskreis gibt es zurzeit außer mir nur Frauen. Wir sind aber offen, auch Männer in unsere Arbeit zu integrieren, wenn wir sie finden.

 

Ein Gedanke zu „„Frauen in Haft wirken oft entwurzelt““

  1. Monika Kurzbach sagt:

    Hallo,
    ich heiße Monika und bin durch Zufall bei Euch reingeschneit.

    Als ich las, wer Euer Teamleiter ist, war es mir sogar ein Bedürfnis, Euch einen Kommentar zu hinterlassen.
    Christoph war mal mein Chef und er war ein wirklich guter und vor allem loyaler Chef.
    Hallo Christoph,
    ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass du uns Mitarbeiter während der Andacht manchmal von deiner seelsorgerischen Arbeit im Gefängnis berichtet hast. Mich hatte das schon damals fasziniert und so kam es, dass ich seit 1,5 Jahren einem amerikanischen Gefangenen, der im Todestrakt seit 32 Jahren sitzt, schreibe.

    Und das Ganze bitteschön auf Englisch, wo ich doch in meiner Schulzeit gar kein Englisch hatte. Das war dann meine neue Herausforderung, denn diese Gefangenen dürfen nur Briefe erhalten, die in Englisch geschrieben werden, weil diese natürlich erst von den Bediensteten gelesen und ggf. zensiert werden.

    Inzwischen ist mein Englisch so ausreichend, dass wir zweimal pro Woche telefonieren. Ja, jetzt möchte ich dein Gesicht sehen können. Ich hätte es auch nie für möglich gehalten, dass ich mal einem „Schwarzen“ im Todestrakt in Amerika Briefe schreibe. Gott hält ständig neue Wege für uns bereit.
    Im nächsten Jahr wollen mein Mann und ich eine Woche nach Amerika fliegen und dies natürlich mit einem Besuch im Gefängnis verbinden. Noch vor einem Jahr hätte ich geschworen, nie in ein Flugzeug zu steigen.

    Für diesen Gefangenen, der 23 Stunden auf seiner Zelle verbringen muss und nur eine einzige Stunde diese verlassen darf, bin ich ein kleines Fenster zur Außenwelt. Er hat sich jetzt sogar Bücher besorgt, um die deutsche Sprache zu erlernen.

    Tja, so geht es manchmal Christoph. Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, heißt es im Film „Forrest Gump“. Man weiß nie, was noch kommt.

    Übrigens kennen diese Männer in den amerikanischen Todestrakten das Problem mit weiblichen Bediensteten. Dort ist es ähnlich. Es kam und kommt dort auch immer wieder zu sexuellen Übergriffen, zum Teil sogar einvernehmlich, was natürlich strengstens verboten ist. Und doch werden immer wieder „weiße“ Frauen als Bedienstete eingesetzt.
    Leider spielt Rassissmus in Amerika immer noch eine große Rolle.

    Ich bin in verschiedenen Gruppen tätig und setze mich besonders im Kampf gegen die Todesstrafe auf der ganzen Welt ein. Es gibt im Internet eine Liste, welcher Gefangene wann und wo hingerichtet werden soll. Dann werde ich aktiv und bitte den jeweiligen Gouvaneur des Staates um Begnadigung und Umwandlung auf lebenslänglich.

    Ich schrieb sogar einen Brief an President Obama. Ob er ihn tatsächlich erhalten hat, bezweifle ich aber ich tue es trotzdem immer wieder, denn: „Wer nicht kämpft, der hat schon verloren“.

    Ich wünsche Dir und den inhaftierten Frauen alles Gute für Eure Arbeit. Bei aller Verzweiflung der Frauen, sollten sie sich immer noch ihre Würde wahren und das Positive aus ihrer Strafe herausfinden. So schwer auch mancher Tag sein mag, alles geht mal vorbei und wir Menschen in Deutschland haben noch die Zeit als Freund – die Gefangenen im Todestrakt in Amerika leider nicht mehr und davon sitzen mindestens 30% unschuldig.

    Ich bete für Euch
    hoffnungsvolle Grüße
    von Monika

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