13. August 2013

„Fast wie im Hauskreis“

 

Mir gegenüber sitzt der Durchtrainierte mit Migrationshintergrund, der schon viele Jahre abgesessen hat. Er kämpft für Gerechtigkeit in der JVA und will sich nicht alles gefallen lassen. Sein Nebenmann verhält sich ruhig, stellt aber provozierende und herausfordernde Fragen, manchmal besser als ich. Der Kurde verhält sich abwartend, zeigt aber ein hohes Interesse am Glauben. Er zwingt uns zur Auseinandersetzung mit dem Islam. Der Neue will „nur“ seine Probleme loswerden und hat ständig Geldsorgen. Das sind einige der Teilnehmer in unserem christlichen Gesprächskreis in einer Offenen Abteilung der JVA Osnabrück. Dazu kommen wir vier Ehrenamtlichen, darunter ich als Leiter der Veranstaltung.

Wir treffen uns alle zwei Wochen. Fast immer kommen tolle Gespräche in Gang. In der Regel steigen wir mit einer kurzen DVD oder einem Bibeltext ein. Manchmal sind provozierende Aussagen nötig, um Inhaftierte aus der Reserve zu locken. Und an manchen Abenden müssen die „Alleinunterhalter“ immer wieder gebremst werden, damit auch die anderen Gäste zu Wort kommen können. Das gelingt nicht immer perfekt, aber wir versuchen jeden anzusprechen und ihn auch ernst zu nehmen. Als „Harmonizer“ fällt es mir dabei manchmal schwer, Spannungen zwischen den Inhaftierten auszuhalten und auch stehen zu lassen. Ab und zu merke ich deutlich, dass meine Lebenswelt doch eine ganz andere ist.

 

Wie in Freiheit

Zurzeit sind die Gespräche meistens so intensiv, dass einer der Inhaftierten anmerkte, es würde ja fast wie im Hauskreis bei uns zugehen. Ein anderer sagte, dass er die zwei Stunden in Gesprächskreis wie Stunden in der Freiheit erleben würde. Der Knast wäre aus seinem Kopf verschwunden. Ehrlich gesagt besuche ich zurzeit lieber unseren Gesprächskreis als den Gottesdienst in der Gemeinde, weil es viel lebendiger und authentischer zugeht.

Neben dem Gesprächskreis veranstaltet unser Arbeitskreis Osnabrück auch regelmäßig einen Lauftreff. In diesem Sommer planen wir zusätzlich zum Beispiel einige Radtouren und einen Besuch beim Fußballspiel des VfL Osnabrück. Gern würden wir auch einen Gesprächskreis in der Untersuchungshaft anbieten. Dafür suchen wir neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zurzeit stellen wir unsere Arbeit darum in verschiedenen Kirchengemeinden vor.

Evangelisch, katholisch, Freikirche – wir Ehrenamtlichen kommen aus ganz verschiedenen Konfessionen mit sehr unterschiedlichen Glaubensgrundsätzen. All die Dinge, über die sich Theologen gern streiten – Abendmahl, Taufe und was weiß ich – sind für uns überhaupt kein Thema. Wir wollen Gefangenen von Jesus erzählen. Das ist unser gemeinsames Ziel und da bringt jeder seine persönliche Sichtweise ein. Diese Art der ökumenischen Zusammenarbeit finde ich enorm bereichernd.

Uwe Engelmann, Leiter des Arbeitskreises Osnabrück

Foto: Uwe Engelmann

Seit der Erschaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen.