26. Oktober 2010

Auch in den Knast durfte mein Hund…

Auch in den Knast durfte mein Hund mit, was mich riesig freute. Zum einen kann man schlecht ein so wertvolles Tier draußen vor der Tür anbinden, zum zweiten ist Kasper daran gewöhnt, immer in meiner Nähe zu sein. Ich bin blind und werde ständig von Kasper, meinem Blindenführhund begleitet.

Schon seit über drei Jahren bin ich ehrenamtlich tätig im Schwarzen Kreuz. Ich pflege Briefkontakte zu Gefangenen. Vom 22.-24. Oktober 2010 ergab sich für mich die Gelegenheit, ein Grundlagenseminar für Ehrenamtliche zu besuchen. Für meinen Hund und mich war das eine Herausforderung. Völlig fremde Umgebung, neue Menschen, würde das klappen? Immerhin war die Situation auch für Seminarleitung und -teilnehmer neu. Aber schon nach kurzer Zeit fühlten wir uns in der Gruppe wohl, weil wir so akzeptiert wurden, wie wir nun einmal sind und immer dann, wenn Unterstützung gebraucht wurde, jemand an unserer Seite war.

 

„Schon so lange keinen Hund mehr gesehen“

Das Programm des Seminars war wegen der Fülle an Informationen sehr interessant und gab für mich viele neue Gedankenanstöße. Die Stadtführung durch Kassel, die am Samstagabend angeboten wurde, war interessant und ein guter Ausklang eines langen, randvoll gepackten Seminartages. Den Abschluss des gesamten Seminars bildete ein Gottesdienst in der JVA Kassel I.

Die großzügige Entscheidung der Anstaltsleitung, Kasper den Zugang in die JVA zu gewähren, freute mich am meisten für die Gefangenen. Nicht selten bekam ich zu hören: „Ich habe schon so lange keinen Hund mehr gesehen, ist der aber schön!“ Auch Kasper genoss die vielen Streicheleinheiten sichtlich, er lag während des Gottesdienstes auf den Füßen des neben mir sitzenden Gefangenen. Bei Kaffee und Plätzchen hatten wir Gelegenheit, kurz mit einigen Gefangenen zu sprechen und zahllose Hände zu schütteln. Kasper aber pickte sich die süße Seite des Knasts heraus, ja, für ihn gab es sie in Form eines heruntergefallenen Plätzchens, für das er sich mit lautstarkem „wau!“ bedankte.

Anita Lichy und Kasper

Foto: Petra Bork, pixelio

2 Gedanken zu „Auch in den Knast durfte mein Hund…“

  1. Marie-Luise sagt:

    Wunderschöner Text. Vielen Dank dafür ..

  2. Sat Anlage sagt:

    Danke sehr an den Autor.

    Gruss Nadja

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